Ein ruhiger Guide für Songs, die sich nach euch anfühlen (ohne „Show“)
Trauungsmusik ist nicht dazu da, Lücken zu füllen. Sie formt ein Gefühl – damit der Raum weicher wird, ihr einmal durchatmen könnt, und der Moment wirklich bei euch ankommt.
Wenn ihr euch schon gefragt habt, ob Musik „zu viel“ sein könnte, zu inszeniert, zu laut – dann ist dieser Guide für euch. Die elegantesten Zeremonien entstehen nicht durch mehr Songs, sondern durch eine klare Struktur, gutes Timing und Musiker:innen, die den Moment tragen, ohne ihn zu übernehmen.
Ich bin Deborah – Sängerin, die Hochzeiten als Handwerk versteht: Atmosphäre, Übergänge, Emotion in feinen Nuancen. Hier ist das Framework, mit dem ich gemeinsam mit Paaren und Planer:innen Zeremonien musikalisch so gestalte, dass sie clean, intim und echt wirken.
Wenn ihr euch zuerst einen Überblick verschaffen möchtet (Zeremonie → Aperitif → Abendessen → erster Tanz), beginnt hier: Die richtige Hochzeitsmusik wählen – wo fangt ihr an?
1. Die Struktur, die Ruhe bringt: 3 fixe Songs + ein „Ankommen“-Song
Für die meisten Zeremonien reichen drei fixe Songs, plus ein optionaler Moment, der alles viel „luftiger“ macht.
Song Nr. 1: Der Einzug
Das ist der Auftakt. Nicht nur „Einzugsmusik“, sondern die erste emotionale Botschaft eures Tages. Er sollte sich ruhig, warm und sicher anfühlen – niemals gehetzt.
Optional: Der Song zum „Ankommen“ (zwischen Begrüßung und Eheversprechen)
Das ist mein liebster zusätzlicher Moment.
Es ist oft der einzige Moment in der Zeremonie, wo ihr nichts tun müsst: Ihr geht nicht, küsst nicht, unterschreibt nicht oder haltet einen Gegenstand. Ihr steht einfach da, atmet und lasst es auf euch wirken.
Ein Lied an dieser Stelle kann die gesamte Zeremonie verändern. Es gibt euch Zeit, in eurem Körper und im Moment anzukommen – stiller Luxus, im wahrsten Sinne des Wortes.
Song Nr. 2: Der emotionale Kern (live gestaltet rund um Gelübde, Ringwechsel und Kuss)
Dieser Abschnitt entfaltet seine Wirkung am besten, wenn Musik als etwas Lebendiges betrachtet wird und nicht als ein starres, vorgegebenes Stück.
So gestalte ich es musikalisch oft:
Gelübde: nur sanfte Gitarrenbegleitung (romantisch, intim, niemals ablenkend)
Ringe: Die Musik bleibt unterstützend und flexibel.
Kiss: hier setzt der Gesang ein – damit die Stimme genau dann ankommt, wenn die Gefühle ihren Höhepunkt erreichen
Unterzeichnung (falls vorgesehen): wir können das Lied nahtlos verlängern, damit der Ablauf für euch ganz entspannt bleibt
Song Nr. 3: Der Auszug
Das ist der Moment der Erleichterung. Freude, Leichtigkeit, Bewegung – ohne die Zeremonie in ein Konzert zu verwandeln. Ein stimmiger Auszug hebt die Stimmung im Raum und trägt euch hinaus.
Eine einfache Wahrheit: Weniger Lieder, die sorgfältig ausgewählt und platziert sind, wirken bedeutungsvoller als eine lange Liste.
2. Wie ihr Songs wählt, die sich nach euch anfühlen (ohne Kitsch)
Wenn ihr euch unsicher seid, helfen diese fünf Fragen:
Cinematic oder intimate?
Nah und reduziert – oder mit einem sanften „Swell“?Welche Stimmung soll im Raum liegen?
Zärtlich? Fröhlich? Gefühlvoll? Still und zufrieden?Welche Ästhetik passt zu euch: clean, warm, vintage, modern?
Das ist oft wichtiger als Genre. Ein Soul-Song kann elegant sein, ein Pop-Song zeitlos – wenn die Interpretation zur Umgebung passt.Welche Sprache(n) gehören zu euch?
Mehrsprachigkeit kann unglaublich persönlich sein – wenn sie bewusst strukturiert ist.Soll Musik führen – oder unterstützen?
Beides kann richtig sein. Wichtig ist, dass es zu euch passt.
Zum Thema „Kitsch“:
Ein Song ist selten an sich kitschig. Kitsch entsteht eher durch Arrangement, Lautstärke oder Timing – wenn Emotion „gemacht“ wird. Eine reduzierte Live-Interpretation (passende Tonart, richtiges Tempo, saubere Übergänge) kann sogar bekannte Songs komplett neu wirken lassen.
3. Kuratierte Songideen (nach Moment + Stimmung)
Das ist bewusst keine endlose Liste, sondern eine Auswahl, die live sehr elegant funktioniert – über viele Stile hinweg.
Einzug
„Fields of Gold“ – Sting / Eva Cassidy (zeitlos, warm, zurückhaltende Eleganz)
„Turning Page“ – Sleeping At Last (soft cinematic, emotional klar)
„Can’t Help Falling in Love“ – Elvis Presley (einfach, ikonisch, sanft)
“Make You Feel My Love” – Adele / Bob Dylan (gefühlvoll, bodenständig)
Optionaler „Ankunfts“-Song (nach der Begrüßung)
„You To Me Are Everything“ – The Real Thing (klassischer Soul, feierlich, Wohlfühlmusik)
„Best Part“ – Daniel Caesar ft. H.E.R. (Soul, zurückhaltend)
„La Vie En Rose“ – Édith Piaf (romantisch, klassisch, soft cinematic)
„Come Away With Me“ – Norah Jones (ruhig, warm, mühelos)
Emotionaler Kern (Kuss -> Unterschrift)
Diese funktionieren wunderbar, wenn der Gesang beim Kuss einsetzt und sich bis zum Singen fortsetzen kann:
„So verliebt man sich“ – Jeremy Zucker ft. Chelsea Cutler (sanfter Aufbau, emotionale Klarheit)
„I Love You Always Forever“ – Donna Lewis (nostalgisch, fröhlich, süß-emotional)
„Lover“ – Taylor Swift (modern romantisch, intim, sanft beschwingt)
Instrumentale Option: Stimme + Violine können hier atemberaubend sein – klare Linien, keine Eile.
Auszug (Ausgang)
„Ain’t No Mountain High Enough“ – Marvin Gaye & Tammi Terrell (fröhlicher, legendärer, energiegeladener Abgang)
„You’ve Got the Love“ – Florence + The Machine (aufmunternd, modern, fröhlich)
„This Will Be (An Everlasting Love)“ – Natalie Cole (heiter, stilvoll, unvergesslich)
„Signed, Sealed, Delivered“ – Stevie Wonder (gefühlvoll, fröhlich, selbstbewusst)
„Stand by Me“ – Ben E. King (warm, gemeinschaftlich, zeitlos)
4. Mehrsprachige Zeremonie (ohne dass es „zerstückelt“ wirkt)
Mehrsprachige Trauungen sind oft unglaublich berührend – wenn sie zusammenhängend bleiben.
Zwei Varianten, die fast immer elegant funktionieren:
Variante A: Pro Moment eine Sprache
Einzug in Sprache A
„Ankommen“-Song in Sprache B
Emotionaler Kern in eurer Herzenssprache
Auszug in der Sprache, die sich für alle Gäste am „gemeinsamsten“ anfühlt
Variante B: Eine Hauptsprache + eine „private“ Sprache
Der Großteil bleibt in einer Sprache, und ein Song gehört nur euch – in eurer intimen Sprache.
Der Schlüssel: nicht permanent switchen. Jeder Moment darf seine eigene Identität haben.
Ein echtes Beispiel einer zweisprachigen Hochzeit (und wie Musik beide Familien verbindet) findet ihr hier: Österreichisch-italienische Hochzeit am Schlossberg Graz | Birgit & Roberto
5. Planner-friendly: Cues, Abstimmung & warum Live-Timing so viel verändert
Eine ruhige Zeremonie ist fast immer eine gut getimte Zeremonie.
Nach unserer Final Planning Session bekommt ihr von mir eine genaue schriftliche Zusammenfassung aller Einsätze, Übergänge und Timings – damit ihr, eure Planer:in und auch Standesamt/Redner:in genau Bescheid wisst. Das nimmt Druck raus und macht den Ablauf nahtlos.
Die Cue-Logik ist dabei bewusst simpel:
Song #1 starten, wenn der Einzug beginnt
Optionaler „Ankommen“-Song nach der Begrüßung, vor den Gelübden
Gitarre als Underscore unter den Versprechen (sehr dezent)
Gesang startet beim Kuss; bei Bedarf bis in die Unterschrift weiterführen
Song #3 auf Auszug-Cue starten
Genau hier kommt Live-Musik voll zur Geltung – hier ist eine destination wedding sich der Zeitplan geändert hat und wir den Ablauf mühelos aufrechterhalten konnten: Castello di Buttrio | Antonia & Tom
Live vs. Playlist (ehrlich gesagt)
Eine Playlist kann funktionieren. Live-Musik fühlt sich oft anders an, weil sie:
auf Atempausen reagieren kann
natürlich „mitgeht“ (keine awkward fades)
Emotion stützt, ohne sie zu pushen
Gerade im emotionalen Kern ist das ein großer Unterschied.
6. Die passenden Musiker:innen wählen (wichtiger als der perfekte Song)
Nicht jede musikalische Energie passt zu jeder Zeremonie. Manche Musiker:innen verstehen sich eher als Highlight im Vordergrund. Andere arbeiten bewusst zurückgenommen – präsent, aber nicht im Mittelpunkt.
Wenn ihr euch Eleganz ohne Show wünscht, achtet darauf, dass eure Musiker:in:
wirklich zuhört und live flexibel ist
Timing und Übergänge genauso ernst nimmt wie Gesang
fühlt sich wohl als Teil der Architektur des Tages, nicht als deren Mittelpunkt
Diese Entscheidung prägt, wie ruhig sich eure Zeremonie anfühlt.
Wenn ihr euch eine elegante zweite Klangebene wünscht, erfahrt ihr hier, warum Gesang + Gitarre + Violine so filmisch und doch persönlich wirken kann: Die besondere Note: Gesang, Gitarre & Violine
7. Mini-Checklist zum Weiterleiten (an Planer:in oder Musiker:in)
Kopieren Sie Folgendes und fügen Sie es ein:
Datum + Veranstaltungsort + Beginn der Zeremonie
Innen-/Außenbereich + Plan B für schlechtes Wetter
Beteiligte Sprachen (EN/DE/ES/IT…)
Eure Struktur: 3 fixe Songs + optionaler „Ankommen“-Song
Platzierung: Einzug / Ankommen / Kuss+Unterschrift / Auszug
Wer gibt den Start-Cue (Planer:in/Officiant)?
Mikrofone benötigt (Trauredner + Gelübde)
Alle Songs, die man unbedingt haben muss oder vermeiden sollte
Braucht ihr danach auch Musik bei Agape / Dinner / First Dance?
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Songs braucht man für eine Zeremonie?
Meist 3–5 Songs: Einzug, optional ein „Ankommen“-Song, ein emotionaler Kern (oft live gebaut) und ein Auszug.
Was, wenn wir keine „Show“ wollen?
Weniger Songs, reduzierte Arrangements, natürliche Lautstärke – und Musiker:innen, die Timing, Übergänge und Subtilität priorisieren.
Wichtig: Wählt den richtigen Musiker. Jede Person bringt eine andere Energie mit. Manche Künstler sehen die Zeremonie von Natur aus als einen „Spotlight Moment“. Andere verstehen sich als Teil des Gesamtbildes eures Tages – präsent, unterstützend und bewusst dezent. Wenn ihr euch ruhige Eleganz wünscht, sucht jemanden, der zuhört, sich live anpasst und sich genauso um das Timing und die Übergänge kümmert wie um das Lied selbst.
Kann man mehrsprachige Songs einbauen?
Ja – am elegantesten, wenn jeder Moment eine klare Sprache/Atmosphäre hat, statt ständig zu wechseln.
Wann sollten wir eine Hochzeitssängerin für unsere Hochzeit buchen?
Sobald ihr euer Datum und eure Location habt, besonders für Wochenenden in der Hauptsaison. Die Verfügbarkeit ist der wichtigste Faktor.
Fazit:
Gute Trauungsmusik entsteht nicht durch „mehr“. Sondern durch Intention.
Eine einfache Struktur – drei fixe Songs und ein optionaler Moment zum Ankommen – schafft Raum. Live gestaltet fühlt sich der emotionale Kern natürlich an: Gitarre als sanfter Underscore unter den vows, Gesang erst beim Kuss, und ein Song, der sich bei Bedarf bis in die Unterschrift hinein nahtlos tragen lässt.
Und genauso wichtig: Wählt Musiker:innen, deren Energie zu eurer Art von Zeremonie passt. Manche führen aus dem Spotlight. Andere führen mit Zurückhaltung – und halten den Raum, damit ihr einfach nur da sein könnt.
Seid ihr bereit, den perfekten Soundtrack für euren großen Tag zu kreieren?
Wenn ihr euch dabei Unterstützung wünscht, schickt mir Datum, Location und Sprachen – und ich sende euch Verfügbarkeit und die nächsten Schritte, ruhig und klar.
Hochzeitsplanung und -gestaltung: A Very Beloved Wedding
Foto: Astrid Neumann
Brautkleid: Made Bride
Anzug des Bräutigams: Scala Wear
Blumen: Hanna Holdener
Papierwaren: Carissimo Letterpress
Torte: Dulcesserie
Dekoration: Magnolias on silk
Make-up und Frisur: Marie Frauhammer
Locations: Belvedere Museum Wien | Hotel Imperial Wien